Hildegard Lernt Fliegen

(0) Klassik in Darmstadt
Centralstation
Im Carree Luisenplatz  64283 Darmstadt
05. April 2017 (Mittwoch) ab 20:00 Alle Angaben ohne Gewähr.

Informationen zur Veranstaltung

Hildegard Lernt Fliegen

Cinéma Hildegard

Der rote Platz war mit russischen Brautpaaren weiss überzuckert, als Hildegard Lernt Fliegen bei Eiseskälte die Hemden wechselte. Posieren vor einer in die Jahre gekommenen Polaroidkamera. Eine Reise im November führte die Schweizer Band an Tische Thüringer Wirtsfrauen, in verwaiste Prager Bahnhofsgewölbe, auf Theaterbühnen Wiener Altachtundsechziger, und in eine ehemalige Sauna des Sowjets. Mit Zug und Bus, wenig Schlaf und viel Gepäck, mit Flugzeug und so gut es ging zu Fuss, war Hildegard Lernt Fliegen unterwegs. Und mit der Filmemacherin Michelle Brun und dem Tonmeister Martin Ruch, die jeden Schritt auf Leinwand bannten, jeden Ton in Wachs ritzten. Im Anschluss an diese russische Odysseee entstand eine vom Illustratoren Peter Baeder gestaltete wahre Wunderkiste. Hildegard Lernt Fliegen überflügelt sich auf ihrer ersten Liveplatte „Live In Moscow“ selbst, was auch das russische Publikum lautstark goutierte - in Moskau klatschte sich ein kometenhaft aufstrebendes Gitarrentalent vor Begeisterung gar die Hände blutig. Der Hörer findet sich inmitten eines Moskauer Livekonzerts wieder, inklusive russischer Bargespräche.

Mit ihrem Film „Tales Wander“ zaubern Michelle Brun und Hildegard Lernt Fliegen aus einer Hand voll rostiger Instrumente und ein paar Filmrollen ein russisches Wintermärchen. Väterchen Frost tanzt mit dem Sennentuntschi um den fernen Kern der Sache.
Das Cinéma Hildegard ist eine Pappschachtel, die selbst Aladins Wunderlampe erblassen lässt. Dieses Kino ist so gross wie die sibirische Taiga und wärmt wie sieben Flaschen Vodka. Cinéma Hildegard ist ein mit russischen Brautpaaren überzuckerter Opernball, auf dem die Dead Kennedys den Eröffnungswalzer spielen.

Bandbiographie
Längst hat das Sextett Hildegard Lernt Fliegen das Vorschulalter hinter sich. Im Sommer 2005 gründete der Sänger und Komponist Andreas Schaerer eine Band, die seitdem nicht mehr locker lässt. Die Musik aus der Feder Schaerers entwindet sich jeder Beschreibung, wie die Regenbogenforelle der Hand des Anglers. 2007 wurde sie dann aber doch erstmals an Land gezogen und auf CD gebannt, erschienen bei dem Schweizer Label Unit Records. Die Presse überschlug sich in Lobeshymnen, das Album ging über den Ladentisch wie sprechende Telefone und musste nach wenigen Monaten nachgepresst werden.

Etliche Liter Raststättenkaffees, zahllose Autobahnkilometer durch die Schweiz, Österreich, Deutschland und Slowenien und Myriaden gespielter Noten folgten. Das Publikum war begeistert, ebenso die Fachjurys; Im Mai 2008 gewann Hildegard Lernt Fliegen den ZKB Jazzpreis. 2009 tourte die Band unter den Fittichen von Suisse Jazz Diagonales durchs polyglotte Land._Die Liste der Bühnen wurde länger und bunter. Nicht nur in Jazzclubs und Kleintheatern hisste die Hildegard ihre Segel, auch gastierte sie bei zahlreichen Festivals, so z.B. am Jazznojazz Zürich, Cully Jazz, BeJazz Winterfestival, Offside Festival Geldern, Suisse Jazz Diagonales, Langnauer Jazz Nights, Dresdner Jazztage, Stanser Musiktage, u.a.m.

November 2009 war noch immer in keiner Weise an Füsse hochlegen zu denken, unablässig vom „fernen Kern der Sache“ singend, brauste die Hildegard in Richtung Zukunft durch die Nacht. Das zweite Album erschien als fantastisches Bilderbuch des Zürcher Illustratoren Peter Baeder, der bereits seit dem Debutalbum als Haus und Hofmaler Hildegard ein Gesicht verleiht. Ein charmant surreales Bühnenstück schuf Maria Sigrist mit dem ersten Hildegard Video Clip zum Song "Seldom was covered with snow and an old oak".

Im Herbst 2010 fand Hildegard Lernt Fliegen in Russland eine neue Heimat. Zwei Wochen tourte Hildegard durch eine Welt, die extra für sie gemalt zu sein schien. Mit an Bord waren die Filmemacherin Michelle Brun und der Tonmeister Martin Ruch, die sich im Anschluss an die Tour Monate lang wegsperrten, während sich die Band erneut in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Tschechien umhertrieb. Im darauf folgenden Herbst kehrte Hildegard Lernt Fliegen ins Reich des Bären zurück, um den Tourfilm Tales Wander und die CD Live In Moscow „heim“ zu bringen.

Bandmitglieder

Christoph Steiner werkelt und produziert, spielt Schlagzeug, Schreibmaschine , Küchengeräte und was nicht niet- und nagelfest ist. 1980 hat er das Licht des Winterthurer Herbstes erblickt und ist seither von einer Geschäftigkeit, dass sich so mancher Zuschauer fragt, ob er während der Hildegardkonzerte noch einen Gemischtwarenhandel betreibt. Freilich einen, in dem selbst die schwindsüchtigste Maus eine P-Funk Party feiert.
Matthias Wenger ist Saxophonist und vollendeter Gentleman, der Schalk sitzt ihm im Nacken und auf der Schulter die Muse. 1979 trat er auf die Bühne der Welt und verdingte sich die ersten paar Jahre als Stehgeiger, so muss es gewesen sein. Er ist die Human Jukebox und ein Rumpelstilz sondergleichen.
Marco Müller spielt den Kontrabass nicht, er ist mit ihm verzwirbelt und verwachsen, ein buckliges Geknöt, das dampft und stampft, ein archaisches Wurzelgemüse, das groovt wie Santaclaus’ Motorschlitten. 1980 auf dem Heuboden eines Fribourger Bauernhofes zur Welt gekommen, ist er der Atlas der Hildegard. Er trägt ihr Himmelsgewölbe auf seinen Schultern und bettet sie auf federndem Stroh.
Andreas Tschopp ist ein Vogel im Posaunenpelz. Kurz nach seiner Geburt 1979 überholte er das Zürcher Tram rechts, nahm Paganini die Vorfahrt und trällerte mit einer Amsel im Duett. Wer ihn nicht liebt, liebt faulen Spinat. Er ist der sonnige Südpol der Band, bewahrt Ruhe in der Rush Hour und feiert Vogelhochzeit wenn alle schlafen gehen.
Andreas Schaerer ist die fleischgewordene Staatsoperette. Der Staat wurde 1976 im Wallis ausgerufen und schweigt seitdem nicht mehr stille. Was anderen als lästige Fliegen um den Hut schwirrt, fängt Andreas Schaerer ein und orchestriert es. Vom Garderobenpersonal zum Schnürmeister, vom Polsterer zur Bühnenfrau, vom Stellwerkbeleuchter über die Requisiteurin zum Chefdirigenten, alle entspringen seinem Hirn und landen im Mund.
Benedikt Reising wurde 1978 in Basel geboren und hat seither so einiges an Rohren und Röhren, gebogenen Metallen und rostigem Instrumentarium angehäuft, das er mit Nonchalance und Eleganz auf der Bühne wieder ausbreitet. Mit einem Lächeln im Augenwinkel und einem Foxtrott in der Hosentasche spielt er das Bariton als wäre es eine Dinnerparty.

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05.04.2017 Mittwoch ab 20:00 ab 21,90 EUR Tickets
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