M.A.U. Club
Warnowufer 56  18057 Rostock
21. Januar 2017 (Samstag) ab 20:00 Alle Angaben ohne Gewähr.

Informationen zur Veranstaltung

Kann man tanzen, wie Michael auf Blinkfliesen und gleichzeitig den schweren Kopf auf die Bar legen? Kann man fliegen im Wald über Moos? Kann man menschlich, warm, natürlich, echt, schwach, klein und dennoch übelst cool sein? Gehören diese Füsse zu mir?

Ich höre Stimmen wie Sirenen, die endlos weiterfragen: Kann man Widersprüche singen? Wer legt die Leitungen durchs Meer? Wovon träumt der Dschungel? Wann kommst du nach Hause? Und ich merke, man kann nicht auf jede mit Nein/Ja/Vielleicht antworten, aber sicher eines sagen: Es gibt Immer Alles.

Naima Husseini weiß das und hat diesem Grundgesetz ein Album gewidmet. Und hier sind sie, die Widersprüche (die keine sind):

- Liebe ohne Angst versus dringende Alltagsprobleme
- Millionen Klangschichten versus Hits, Hits, Hits
- Die Welt durchs Fernrohr versus Autobiographie

Sieht geschrieben spröde aus, aber ja, ja, ja, man kann auch die Melancholie feiern als wär Geburtstag. „Don’t bore us, get to the chorus“ habe Roxette mal gefordert. Dieser klingt hier gänzlich unlangweilig so:
„Bei all dem ganzen Wollen
Komme ich selbst nicht hinterher
Ich will alles
in Bewegung
in Bewegung
in Bewegung“

Naima Husseini hat an diesem Dreampop-Juwel lange geschrieben, gespielt und produziert, es am Ende in ein wunderschönes Collagen-Cover gepackt und zu uns geschickt, damit wir wissen: Alles ist möglich und zwar Immer.

Naima Husseini kommt in den Wirren der 80er in Hamburg zur Welt und wächst in einer hochmusikalischen Familie auf (ihre Eltern nennen sie nach einem Stück von John Coltrane).
Sie studiert Kunst, bricht ab. Das machen Musiker so, um in Bands zu spielen. 2011 erscheint auf Universal ihr selbst betiteltes Debüt, ein schillerndes Kleinod voller Songs und Samples aus der echten Welt, entstanden in enger Zusammenarbeit mit Olaf Opal (produzierte u.a. The Notwist, Sterne).
Was dann folgt, nennt man Odyssee (nicht nur Männer mit Löwen auf dem Rücken können das). Sie spielt im Vorprogramm von Cäthe, geht auf TV-Noir-Tour mit Alin Coen.
Sie vertieft sich in die Kunst des Songwritings, allein und mit Anderen, zum Beispiel auf einer einsamen schwedischen Insel mit den Leuten von Peter, Björn and John, nur um dann zurück in Berlin wieder ganz andere Wege einzuschlagen. Mit Oliver Welter (Naked Lunch) und Charlotte Brandi (Me And My Drummer) schreibt sie auch einige Songs zusammen. Daraus entsteht der Titelsong Immer Alles. Die Konturen, wie ein neues Album klingen könnte, nehmen Form an.

Wenn man ahnt, wie es wird, kann man arbeiten und wird nie müde. Naima schrieb, sammelte Sounds und Melodien, sampelte wie eine Wilde, sie wollte die Freude, die Hoffnung und die Melancholie, schöne und kaputte Klänge, Intimität und Weite, auf einer Platte bündeln.
Und was wir jetzt hören, nach Jahren Arbeit, allein und mit ihrem Co-Musiker und Co-Produzenten Johannes Wehrle, ist tatsächlich Immer Alles.
Sollte nicht sowieso jeder, der sich Künstler nennt, immer alles wollen, um dann mit jedem Lied eine ganze Welt zu schreiben. Naima Husseini macht das.

Diese Musik ist hochauflösend, verzweigt sich immer weiter, jeder Ast bringt einen neuen hervor, jede Wand ist ein Spiegel.
Hölzer, Klangplatten, Klavier, Rhodes mit Tremolo auf Anschlag, Metallophon, 808-Toms, E-Gitarren mit Endlos-Delay und Federhall. Das sind einige der Werkzeuge, mit denen Naima diese Welt gebaut, gestrichen, gehämmert hat. Nicht nur die akustischen Instrumente, auch die Drum-Machine-Kicks und Snares wurden von Hand auf Pads getrommelt. Das erklärt einiges an Gefühl, was von diesem Album ausgeht. Hier warten keine Plugins auf Midi-Trigger-Signale, um loszulegen, nein - hier sind Menschen am Werk. Außer Naima noch Fabian Stevens an den Drums, der gemeinsam mit Irma Samuelis an den Tasten Naimas Live-Band bildet.

Das Immer in Immer Alles deutet auch auf die Gleichzeitigkeit der Musikgeschichte im Kontext dieses Albums hin. Einmal erinnert eine Gesangslinie an Stevie Wonder, woanders hört man den symphonischen Dschungel von Grizzly Bears Veckatimest oder die Hallräume von Beach House, ein Song beginnt wie Schoolly Ds Gangster Boogie, ein anderer endet mit einem Anklang an Dr. Dres The Next Episode. Soul, Shoegaze, Indierock, Oldschool-Rap, das Puzzle passt, nichts ist hier plump zitiert, alles ins Licht von Naimas Welt getaucht. Das klingt hell und neu.
Habe ich schon vom Tanzen gesprochen und davon, dass Naima Husseini Hits in Großbuchstaben 
schreiben kann? Schwer in Wörter zu fassen, schlage vor, die Single Immer Alles laut aufzudrehen, spätestens an der Stelle, wo Naima bestimmt fordert, dass alles in Bewegung zu sein hat und dann die Marimbas, Claps und Ohh Ohh’s losrollen, muss man, wenn man kein Stein ist, durch Wohnzimmer, Club oder Waldlichtung tanzen, egal, wer dabei zusieht.

Eine weitere sehr Besonderheit dieser Platte offenbart sich in der Single Sterne: Die Texte.

„Wie hoch dein Lachen mich hebt.“

Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal eine derart berührende Zeile gehört habe. Und wenn Naima dann im Refrain sternenhell singt: „An dieser Stelle will ich danke sagen, an alle die die mich verlassen haben“, und die Harmonien unerwartet und wunderbar für einen Moment nach Dur wechseln, fühlt man (also ich) tatsächlich kurz ganz schön viel Glück.
Danke dafür.

Francesco Wilking
Ach so: Naima hat übrigens, kurz nachdem sie den letzten Song des Albums zum Mastern abgegeben hat, einen wunderhübschen Jungen bekommen und somit innerhalb kürzester Zeit zwei kleine Wunder zur Welt gebracht.
Life’s what happens und zwar Immer Alles.

Tickets & Termine

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21.01.2017 Samstag ab 20:00 ab 13,90 EUR Tickets
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