Scott Fagan

(0) Rock & Pop in Köln
GEBÄUDE 9
Deutz-Mülheimer-Str. 127 - 129  51063 Köln
08. November 2016 (Dienstag) ab 20:30 Alle Angaben ohne Gewähr.

Informationen zur Veranstaltung

SCOTT FAGAN

Die Geschichte hinter dieser außergewöhnlichen, ja vermutlich einzigartigen Tournee gehört zu diesen großen Mysterien der Musikgeschichte, für die es letztlich keine Erklärung gibt. Sie ist mindestens ebenso bedeutend und grotesk wie jene rund um Rodriguez und sein „Searching For Sugarman“, die die weltweite Musikbranche vor rund drei Jahren in Atem hielt. Es ist die Geschichte eines überragend begabten Musikers und seines Debütalbums „South Atlantic Blues“, das 1968 erstmals erschien und mit seiner überaus mutigen Verschmelzung der unterschiedlichsten Genres neue Türen aufstieß; das im Moment seiner Veröffentlichung von Insidern gefeiert wurde als das einzigartige Stück Musik, das es ist – und letztlich doch eine weithin versteckte Perle zwischen Folk, Psych-Rock, R&B, Jazz und karibischen Rhythmen blieb. Der Mann hinter diesem Album heißt Scott Fagan, dem man damals prophezeite, in weniger als sechs Monaten größer als Elvis zu sein. Stattdessen verschwanden er und dieses Werk für fast fünf Jahrzehnte in gut sortierten Archiven. Im vergangenen Jahr wurde „South Atlantic Blues“ wiederveröffentlicht. Nun geht Scott Fagan, umgeben von einer ausgesucht versierten Band, mit diesem Album erstmals auf Welttournee und wird in diesem Rahmen zwischen dem 8. und 10. November auch drei Deutschlandkonzerte spielen. Die Stationen seiner Reise sind Köln, Leipzig und Berlin.

Die an Einflüssen und Impulsen reiche Geschichte von Scott Fagan beginnt in seinen Kindertagen. 1945 als Sohn eines professionellen Saxofonisten und einer Tänzerin geboren, verbringt er seine Kindheit auf der Karibikinsel St. Thomas, wo er neben den Folkplatten der Mutter auch die gesamte Kultur karibischer Musik aufsaugt und verinnerlicht. Fagan beginnt mit dem Schreiben eigener Songs und schmiedet einen verwegenen Plan: Er möchte in Kontakt kommen mit Doc Pomus, Mitte der Sechzigerjahre einer der großen Hitschreiber der US-Szene. Mit 19 zieht er deshalb nach New York – und trifft tatsächlich auf seinen Mentor. Zehn Minuten Gesang und Performance genügen Pomus, um Scott Fagan unter Vertrag zu nehmen. Zunächst schreiben sie gemeinsam einige Kompositionen für andere – darunter etwa der Hit "I'm Gonna Cry Til My Tears Run Dry", mit dem sowohl Irma Thomas als auch Linda Ronstadt ihren Erfolg beflügeln. Doch Pomus hält Fagan dazu an, sein erstes eigenes Album aufzunehmen: „Er sah einfach viel zu gut aus, um als Ghostwriter im Hintergrund zu bleiben“, so Pomus Jahre später. Zudem besaß er eine überwältigende Stimme, irgendwo zwischen Scott Walker, frühem David Bowie und Tim Hardin.

1964 begann Scott Fagan mit dem Schreiben der Songs für sein geplantes Debütalbum, drei Jahre sollte er daran sitzen, bevor es ins Studio ging. Dies auch, weil sich in „South Atlantic Blues“ derart viele verschiedene Stile und Ideen zu einem Amalgam der Großartigkeit verdichteten, dass man getrost von einem in jedem einzelnen Ton hochinnovativen Album sprechen kann. Hier trafen sich Psych-Rock, Folk, Calypso, Jazz, R'n'B, Blues-Gitarren und Steel Drums, als hätten sie schon immer zusammen gehört. Inhaltlich bot es ein loses Konzept rund um die offenbar schwierige, aber auch intensive Liebesbeziehung zu seiner damaligen Partnerin Patricia. Als das Album erschien, stieß es in Insiderkreisen durchaus auf maximale Beachtung, man prophezeite Scott Fagan eine brillante Karriere. Das Album inspirierte den Künstler Jasper Johns zu einer eigenen Lithographie-Serie (heute zu besichtigen im MoMa in New York), die Beatles nahmen Kontakt zu Fagan auf und überlegten, sein Album für Europa zu lizensieren und auf ihrem eigenen 'Apple'-Label zu veröffentlichen – als erste Platte eines fremden Künstlers überhaupt.

Indes: Es kam anders. Aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen verschwand die Platte im kollektiven Vergessen, bevor sie zu dem Klassiker werden konnte, der in ihr steckt. Fagan schrieb noch ein weiteres Album – das auf noch weniger Interesse stieß – sowie mit „Soon“ das erste Rock-Musical für den Broadway, das trotz ausgezeichneter Kritiken und einer eindrucksvollen Besetzung (unter anderem Richard Gere) nach nur drei Aufführungen abgesetzt wurde. Warum dies alles geschah, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Wahrscheinlich ist, dass Scott Fagan seiner Zeit einfach viel zu weit voraus war. Ähnlich übrigens wie Stephen Merritt, Kopf der ausgesucht eigenen Magnetic Fields und eines der Kinder von Scott Fagan. Ein Umstand, den die beiden selber erst vor wenigen Jahren durch Zufall heraus fanden. Ein weiteres Mysterium der Musikhistorie.

Nun erfahren Album und Künstler endlich die Ehrung, die ihnen gebührt. Im Herbst 2015 erschien „South Atlantic Blues“ erneut als sehr hübsch aufgemachte Special Edition. Erstmals geht Scott Fagan mit dem Album auch auf Welttournee, begleitet von einer ausgezeichneten Band: Gitarrist Tyler Evans (Black Swans), Bassist Brad Truax (Interpol), Organist Wilder Schwartz (Run The Jewels) und Drummer Ryan Sawyer (Cass McCombs). Es dürften Abende rund um einen verlorenen Klassiker werden, die kein Anwesender je vergessen wird.

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